Elternbriefe

01.12.2020

Ministerium für Bildung, Mittlere Bleiche 61, 55116 Mainz

Liebe Eltern, liebe Sorgeberechtigte,
am vergangenen Mittwoch haben sich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder mit der Bundeskanzlerin über die aktuelle Corona-Situation beraten. Sie
haben den „Lockdown light“ verlängert und zusätzliche Maßnahmen beschlossen. Aber
sie haben auch noch einmal die Bedeutung der Bildung hervorgehoben. Und das will
ich auch tun: Frühkindliche und schulische Bildung sind von unschätzbarem Wert für
unsere Gesellschaft. Deshalb müssen wir alles dafür tun, dass unsere Kinder und Jugendlichen auch während der Pandemie möglichst in ihre Kita und in ihre Schule gehen
können. Auch deshalb schränkt sich die Gesellschaft an vielen anderen Stellen ein,
damit die Schulen und Kindertagesstätten offenbleiben können, damit der Unterricht
bestmöglich stattfinden kann.
Der Präsenzunterricht ist weiter das erste Mittel der Wahl. Unsere Schülerinnen
und Schüler brauchen ihre Lehrkräfte und sie brauchen deren Ansprache als Lern- und
Lebensbegleiter. Das sieht auch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin
so, die sich aktuell dafür ausspricht, dass die Schulen offenbleiben. Auch zeigen Studien
aus Hamburg, Sachsen und Baden-Württemberg, ebenso wie die Daten des rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamtes, dass Schulen nicht die Treiber der Pandemie sind.
Infektionen werden in der Regel von außen in die Schulen getragen, das Infektionsrisiko
innerhalb von Schulen ist deutlich geringer als im häuslichen Umfeld. Und das liegt maßgeblich daran, dass unsere Schulen die Hygieneregeln hervorragend umsetzen und unsere
Schülerinnen und Schüler sich sehr gut daran halten.
Schule läuft aktuell unter Corona-Bedingungen. Der Schulalltag sieht völlig anders aus
als noch vor einem Jahr. Bestimmte Unterrichtsformate sind vorerst ausgesetzt, das
Musizieren und der Sportunterricht sind stark eingeschränkt. Das ist bedauerlich, aber
viel wichtiger ist: Schule findet täglich statt, weil wir wissen, wie wichtig sie für unsere
Schülerinnen und Schüler ist. Es geht um ihre Bildung und um ihre Chancen. Deshalb
haben wir auch für entsprechende Schutzmaßnahmen gesorgt: Wir haben bereits ab
der fünften Klasse eine Maskenpflicht an allen weiterführenden Schulen eingeführt und
unsere Schulen wurden mit Reservemasken ausgestattet. Für Grund- und Förderschulpersonal gibt es zusätzlich zur Maske Face Shields. FFP2-Masken für Notfallsituationen
Schulen wurden in den vergangenen Tagen ebenfalls ausgeliefert. Gerade die Maskenpflicht hat sich sehr positiv ausgewirkt, sagen uns unsere Experten. Deshalb möchte
ich an dieser Stelle nochmal bei Ihnen und Ihren Kindern dafür werben und Ihnen herzlich für Ihre Mithilfe danken.
Vor diesem Hintergrund haben die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten und
die Bundeskanzlerin am Mittwoch folgende Regelungen für die Schulen entschieden,
die in Rheinland-Pfalz wie folgt umgesetzt werden:

  1. Grundsätzlich sollen möglichst alle Schülerinnen und Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen.
  2. Die für die Grundschulen zunächst befristeten Regelungen, etwa zur Bildung
    fester Lerngruppen, haben bis zum Ende des ersten Halbjahres weiterhin Gültigkeit.
  3. In der aktuellen Situation besteht an weiterführenden Schulen für Schülerinnen
    und Schüler ab Klasse 5 sowie für Lehrkräfte weiterhin in ganz Rheinland-Pfalz
    die Maskenpflicht im Unterricht. Maskenpausen, insbesondere auch zum Trinken oder Essen, sind zu ermöglichen, dabei ist das Abstandsgebot einzuhalten.
  4. In besonderen Situationen können Schulen in Abstimmung mit der Schulaufsicht vom Präsenzunterricht zeitlich befristet in den Wechselbetrieb (Präsenz-
    /Fernunterricht) umgestellt werden. Diese Möglichkeit besteht in Landkreisen und
    kreisfreien Städten oberhalb einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner pro Woche ab der Jahrgangsstufe 8, sofern dies mit Blick auf die allgemeine
    Infektionslage sowie die Situation an der jeweiligen Schule geboten erscheint. Auch
    dabei soll der Fokus weiterhin auf die höheren Jahrgänge gelegt werden. In den Schulen sind bei Bedarf Lernräume für Schülerinnen und Schüler vorzusehen, denen es zuhause aufgrund räumlicher und sonstiger Gegebenheiten an der nötigen technischen
    Ausstattung bzw. erforderlichen Lernumgebung fehlt.
    Dauerhaft in Präsenz sind zu unterrichten:
     Schülerinnen und Schüler einschließlich der Jahrgangsstufe 7,
     Schülerinnen und Schüler im BVJ und BF 1,
     Abschlussklassen in den Bildungsgängen der berufsbildenden Schulen sowie
    die Jahrgangsstufe 12 in den G8-GTS Gymnasien und die Jahrgangsstufe 13 in
    den G9 Gymnasien sowie Integrierten Gesamtschulen.
  5. Schutzmaßnahmen des Gesundheitsamtes (Quarantäne oder Isolierung) bleiben unbenommen.
    Wir haben unsere Schulen darüber hinaus erneut dringend dazu aufgefordert, einen
    gestaffelten Unterrichtsbeginn zu prüfen. Das würde den Öffentlichen Nahverkehr sowie den Schülerverkehr weiter entzerren. Das geht allerdings nur, wenn die Eltern und
    die Schulgemeinschaft damit einverstanden sind, deshalb auch hier noch einmal die
    Bitte an Sie, ein entsprechendes Anliegen Ihrer Schule wohlwollend zu prüfen. Das
    Land Rheinland-Pfalz hat die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, in dem das Verkehrsministerium 250 zusätzliche Busse für den Schülerverkehr bereitgestellt und das
    Schulbusprogramm bis Ostern 2021 verlängert hat.
    Liebe Eltern, liebe Sorgeberechtigte,
    die vergangenen Wochen und Monate waren für uns alle ein Kraftakt. Und gerade für
    Familien war und ist das Jahr 2020 eines, das mit vielen Sorgen verbunden war. Sorgen, die mit dem näherrückenden Familienfest an Weihnachten nicht kleiner geworden
    sind. Gleichwohl machen uns die guten Nachrichten aus Mainz, wo die rheinland-pfälzische Firma BioNTech den wohl weltweit ersten Corona-Impfstoff entwickelt hat, Hoffnung für das kommende Jahr. Auch wenn die Pandemie uns noch einige Monate begleiten wird: wenn wir diesen Winter durchgestanden haben, können wir optimistisch in
    die Zukunft blicken. Deshalb möchte ich Sie bitten: Halten Sie weiter durch, reduzieren
    Sie Ihre Kontakte und beherzigen Sie auch an Weihnachten und Silvester die geltenden
    Regeln. Denn unser aller Verhalten in der Ferienzeit wird ganz wesentlich darüber entscheiden, wie es in den drei Wintermonaten danach in unseren Schulen weitergeht.
    Lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, dass für alle Schülerinnen und Schüler Präsenzunterricht stattfinden kann.
    Ich danke Ihnen und Ihren Kindern sehr herzlich für Ihr großes Engagement in dieser
    schwierigen Zeit.
    Bleiben Sie gesund!
    Mit herzlichen Grüßen
    Dr. Stefanie Hubig